Neue
Kampagne des Jugendrotkreuzes ab 1999
Nachdem die Anti-Personen-Minen-Kampagne
innerhalb der letzten Jahre überaus erfolgreich im Jugendrotkreuz
durchgeführt wurde und eine sehr große Identifikationswelle bei
Kindern und Jugendlichen mit sich brachte - bis hin zur Verleihung
des Friedensnobelpreises an die weltweit tätigen Campaigner als
einen gewissen Höhepunkt - hat der Bundesausschuß des Deutschen
Jugendrotkreuzes beschlossen, eine neue Kampagne zum Thema Kindersoldaten
durchzuführen. Start der Kampagne wird Januar 1999 sein.
Warum eine Kampagne zum Thema Kindersoldaten"?
Immer mehr Kinder sind in
Konflikten, sei es in Bürgerkriegen, Unruhen oder Kriegen, als Soldaten
im Einsatz. In rund 25 Ländern kämpfen Kinder unter 15 Jahren mit
der Waffe. So weitreichend die Folgen des Einsatzes von Kindern
als Soldaten sind, so verschieden und oft schwer faßbar sind die
Gründe, daß Kinder zu Soldaten werden. In zahlreichen Fällen werden
Kinder zum Dienst an der Waffe zwangsrekrutiert, sie werden entführt
und aus ihrem Umfeld gerissen. Eine besonders grausame Methode ist
es, die Kinder zu zwingen, eigene Verwandte zu erschießen.
Kein Weg zurück
Damit ist den Kindern jede
Möglichkeit zur Rückkehr in die vertraute Umgebung versperrt, sie
sind ihres gesamten noch ungefestigten Wertesystems beraubt und
werden oft zu besonders unberechenbaren Soldaten. Kinder und Jugendliche
werden von kriegführenden Parteien den Erwachsenen vorgezogen, weil
sie weniger Ansprüche stellen und besser gehorchen. In den meisten
Fällen ist aber keine gewaltsame Rekrutierung erforderlich. Hunger,
der Tod der Eltern, Rachegefühle für erlittenes Unrecht oder Vertreibung
aus der Heimat sind Gründe, die die Kinder zum Eintritt in die Armee
oder Rebellengruppen bewegen.
Kindersoldaten leben oft
unter noch schlechteren Bedingungen als die erwachsenen Kämpfer,
ihre Tätigkeiten sind vielfältig: von Hilfsdiensten über den Einsatz
als Minensucher bis hin zum Kämpfer in vorderster Front reichen
ihre Pflichten. Doch die Kinder und Jugendlichen erfahren auch eine
gefährliche Form von Solidarität und Sicherheit innerhalb der Armee.
Dies und mögliche frühere traumatische Erfahrungen erschwerten die
Rückkehr in ein ziviles Leben. Die bewußte Auslöschung gelernter
Werte und Normen macht Kinder und Jugendliche oft zu besonders brutalen
und skrupellosen Killern, die wahllos ihre Opfer suchen, brandschatzen
und foltern.
Mehr Schutz für Kinder!
Die Auswirkungen des Einsatzes
von Kindersoldaten sind dramatisch: sie werden um ihre Jugend betrogen,
die Reintegration ist äußerst schwierig. Die umfassende Rekrutierung
von Kindern und Jugendlichen bringt langfristig immense gesellschaftliche
und wirtschaftliche Probleme für das jeweilige Land mit sich. Gegen
den Einsatz von Kindersoldaten spricht das Leiden der Kinder, ihrer
Opfer und der Gesellschaft. Kinder sind schwache Glieder der Gesellschaft,
sie sollten einen besonderen Schutz genießen.
Ziel: Verbot der Rekrutierung von
Kindern und Jugendlichen unter 18
Die Rotkreuzbewegung beschäftigt
sich seit längerem mit dem Problemfeld Kindersoldaten und der Situation
von Kindern im Krieg. Inzwischen beteiligen sich sowohl das Internationale
Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) als auch die Föderation der Rotkreuz-
und Rothalbmondbewegung an einer Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen.
Ziel ist die Vorbereitung der Verhandlungen eines optionalen Zusatzprotokolles
zur UN-Kinderrechtskonvention, dessen Inhalt das Verbot der Rekrutierung
von Kindern unter 18 Jahren und ihre Teilnahme an bewaffneten Konflikten
sein soll.
Das Jugendrotkreuz hat beschlossen,
eine Kampagne Kindersoldaten" durchzuführen. Zielsetzung/Kampagnenaufbau:
Politische Forderung:
Verbot einer Rekrutierung
von Kindern unter 18 Jahren und ihre Teilnahme an bewaffneten Konflikten.
Adressaten dieser Forderung
sind
- 1. Arbeitsgruppe bei
den Vereinten Nationen zur Vorbereitung der Verhandlungen eines
optionalen Zusatzprotokolls zur UN-Kinderrechtskonvention.
- 2. Die deutsche Bundesregierung
wird aufgefordert, diese Position ebenfalls zu übernehmen und
bei den Verhandlungen über das fakultative Zusatzprotokoll zu
vertreten und auf andere Staaten Einfluß zur Unterstützung und
Unterzeichnung des Zusatzprotokolls zu nehmen.
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